Die Wolfgangskapelle am Wolfgangsriegel bei Böbrach

Die Wolfgangskapelle am Wolfgangsriegel bei Böbrach
Hier hat vor 1000 Jahren der heilige Wolfgang auf seinem Weg nach Böhmen in wilden Wald übernachtet. Die Wolfgangskapelle liegt wildromantisch in Felsen eingebettet

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Andacht zum Thema "Ich habe einen Traum" von Pfarrer Micha Boerschmann, Regensburg

Stern aus Geschenkpapier, Bastelarbeit von Alfred und Christiene Bock, Wolfgangspilger


Eine Andacht von Pfarrer Micha Boerschmann, Regensburg

Gemeindebrief der Evag.-Luth. Kirchengemeinde Viechtach, Dezemmber 2016 - März 2017




Vorab: Pfarrer Micha Boerschmann aus Regensburg hat auf Bitten des Vereins Pilgerweg St.Wolfgang während der Vakanz der Evangelischen Kirchengemeinde Viechtach freundlicherweise mit seinen hervorragenden Predigten wertvolle spirituelle Beiträge bei vier Veranstaltungen der Wolfgangspilger geleistet.

1. Zweimal bei den "Glückspferden" in Kirchaitnach (2015/2016)
Pater Josef, Kollnburg, Kassier und Bauleiter Friedel Dreischneier, Pilgerhelfer Asylbewerber, Bürgermeisterin Josefa Schmid, Pfarrer Micha Boerschmann, 2.Vorsitzende und Künstlerin Dorothea Stuffer

2. Bei einer geführten Pilgerwanderung zum Glasdorf Arnbruck, auch Glückspferde, am 24.6.2016 (Predigt über Johannes den Täufer)
Das Ehepaar Weinfurtner, Asylbewerber, Vereinsmitglied Karla Singer, Pfarrer Micha Boerschmann

3. Beim "Gnadenlicht" (Predigt) in Münchshöfen am Wolfgangsweg auf 850 Metern Höhe,      Dezember 2016

Münchshöfener Dorfbewohner, Pilgerhelfer Xaver Hagengruber, Pilger Rudi, Kassier und Bauleiter Friedel Dreischmeier, Pater Josef (von hinten), Bürgermeisterin Josefa Schmid, Pfarrer Micha Boerschmann (in grün), 1.Vorsoitzende Hildegard Weiler, Blechfigur des heiligen Wolfgang mit Wolf und Schaf von Dorothea Stuffer


 
Austeilung des Abendmahls in der Christuskirche Viechtach, Herzstück Wolfgangsweg


Der Prophet Sacharja
Viel wissen wir von Sacharja nicht. Um das Jahr 520 v. Chr. taucht er auf und verkündet, was Gott ihm aufgetragen hat. Seine Worte sind bis heute geblieben. Sie prägten die Offenbarung des Johannes, das Matthäusevangelium und unsere Lieder und Bilder von Weihnachten.
Als Sacharja auftritt ist die Babylonische Gefangenschaft vorbei und das Volk Israel darf nach 70 Jahren Exil wieder zurück in die Heimat. Vermutlich ist Sacharja einer dieser Heimkehrer.
Das Volk hat große Hoffnungen an die Heimkehr geknüpft: "Jetzt wird alles wieder gut. Gott hat uns gestraft, aber jetzt ist er wieder gnädig." Doch wie so oft folgte auf die Aufbruchsstimmung die große Ernüchterung.
Die Israeliten warteten vergeblich auf göttliche Zeichen. Da kommt Sacharja. Er will das Volk wieder aufrütteln und ihnen Mut zusprechen.
Sein Buch ist voll von Visionen über eine neue Weltordnung und die Erscheinung eines namenlosen Messias, der Gerechtigkeit bringen soll; eine Schau, wie sie sich viel später mit dem Einzug Jesu in Jerusalem erfüllt. Die Visionen sind Sinnbilder für ein Leben in Frieden, das den Juden nach der Fertigstellung des Tempels versprochen ist.

Der Traum vom gerechten König
Propheten sind Träumer, das macht sie mir so sympathisch. Deswegen haben sie uns auch etwas zu sagen in der Adventszeit. Denn die Adventszeit ist "Traumzeit". Wir warten und erwarten Weihnachten. Was erwarte ich vom Leben? Was erwartet Gott von mir? Was steht noch aus und wartet auf Erfüllung?
Dem Propheten Sacharja zeigt Gott in Träumen, was die Welt erwarten darf und vorauf sie sich vorbereiten soll: auf den Messias. Eins seiner berühmtesten Worte ist ganz und gar adventlich träumerisch:
Siehe dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. (Sach 9,9)
Da dürfen wir mitträumen. Zu all denen, die feststecken in ihrem Leben, die nicht mehr weiter wissen, kommt er: der Helfer. Zu all denen, die eine Krankheit plagt, kommt er: der König des Lebens. Zu all denen, die streiten und hassen statt zu lieben, kommt er: der Gerechte.
Adventszeit ‑ Zeit zum Träumen. Doch Träumer scheinen es heute schwer zu haben. Wer durch das Leben jagt, hat keine Muse zum Träumen. Wer nur die Frage kennt: "Was springt dabei heraus?", muss Träume für Luxus halten. Aber ich will mir das Träumen nicht nehmen lassen. Das habe ich von den Propheten gelernt.
Sacharjas Traum ist in Erfüllung gegangen - nicht gleich und nicht so, wie es die Menschen in Israel erwartet hatten. Sein Traum war der Beginn eines langen Weges, den Gott in der Geburt Jesu erfüllt hat. Und auch da in der Krippe ist der große Traum zunächst ein kleines Kind. Der Traum musste erst wachsen und groß werden. Er muss beschützt werden vor Herodes, bis er Jahre später in Jerusalem einzieht. Ob sich Sacharja das so hätte träumen lassen? Siehe dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.
Seinen Traum können wir heute weiter träumen:
Ich habe den Traum, dass wir Handlanger dieses Messias sind, dass wir selbst Gerechte und Helfer werden.
Ich habe einen Traum von unserem Land: dass es ein friedvolles Deutschland sei im Herzen Europas, großzügig und gast­freund­lich, und das beim Sparen nicht bei den Aller­ärmsten anfängt.
Ich habe einen Traum von meiner Kirche, dass sie eine Kirche mit offenen Türen ist, die alle Menschen einlädt, die aber auch zu den Menschen geht, zu den Beschädigten, zu den Traurigen, zu den Bedürftigen.
Träume haben etwas an sich, was auf Verwirklichung und Erfüllung zielt. Sie sind hartnäckig und lassen sich nicht so leicht abspeisen.
Pfarrer Micha Boerschman



Pfarrer Micha Boerschmann erteilt den Weihnachts-Segen 

1 Kommentar:

  1. Gute Predigt, muß ich gerade feststellen, regt zum Träumen und gleichzeitig zum Nachdenken an! !!!!

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